Beim Lippischen Blinden- und Sehbehindertenverein e.V. - Lebenschancen durch Digitaldruck

Beim Lippischen Blinden- und Sehbehindertenverein e.V. (LBSV) in Detmold steht seit März 2023 ein Mutoh XpertJet 461UF-Flachbettdrucker mit UV-LED. Er eröffnet der Einrichtung für mehrfach beeinträchtigte Sehbehinderte neue, lukrative Märkte für inklusive Beschilderung und weitere Produkte. Vor allem aber schafft er Lebens- und Teilhabechancen für die Leistungsberechtigten dieser anerkannten Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigungen.

„Eigentlich haben wir zunächst einen 3D-Drucker gesucht“, erinnert sich Werkstattleiter Marco Dröge. Denn dieser sollte die Herstellung von Matrizen erleichtern, mit deren Hilfe im Haus in einem Abriebverfahren Taschen bebildert werden. Die Jutebeutel mit den farbenfrohen Motiven, von denen jedes etwas anders aussieht, sind ein Verkaufsschlager aus den Werkstätten. Dort arbeiten rund 150 Sehbeeinträchtigte mit weiteren Einschränkungen. Ihnen werden u.a. Arbeitsgelegenheiten aus dem Bereich Montage und Verpackung sowie berufliche Qualifikationen geboten.

„Bei der Recherche nach ein 3D-Printer stellte sich aber heraus, dass ein UV-LED-Drucker unsere Anforderungen eigentlich viel besser erfüllt. Denn wir benötigen für die Matrizen ein flaches Halbrelief mit bis zu einem Millimeter Höhenunterschied. Das lässt sich mit UV-LED viel einfacher und schneller realisieren“, so Dröge.  

Bislang wurden die Vorlagen im Haus aus fester Pappe oder im Linoleumschnitt produziert. Dank des Strukturdrucks des Mutoh XpertJet 461UF-Flachbettdrucker mit UV-LED funktioniert das nun bis zu einer Größe von A3 ganz einfach digital.

„Damit können wir viel schneller auf Kundenanfragen reagieren und auf neue Motive wechseln“, freut sich der Werkstattleiter. Er verantwortet die hauseigene Digital- und Offsetdruckerei bereits seit mehr als 17 Jahren. „Unsere Jutebeutel werden besonders gerne von lokalen Unternehmen eingesetzt, beispielsweise der örtlichen H&M-Filiale“, betont er.

„Wir wollen mit Hilfe des Mutoh XpertJet 461UF die Beschilderung modernisieren und mit Braille-Zeichen ausstatten.“

Marco Dröge, Werkstattleiter Lippischen Blinden- Sehbehindertenverein e.V. Detmold

Von der Einkaufstasche zum Braille-Schild

 „Wir hatten für unseren künftigen UV-LED-Drucker noch eine weitere wichtige Anforderung“, erklärt Dröge, „denn mit seiner Hilfe sollte auch die Beschilderung modernisiert werden. Unsere Leistungsberechtigten benötigen zur Orientierung die Braille-Zeichen auf den Leitsystemen. Wenn man diese erhabenen Schriftzeichen manuell prägt, ist das sehr aufwendig. Zudem ist man auf Papier als Druckmedium beschränkt. Mit unserem neuen Drucker können wir solche Schilder nun selbst herstellen. Denn die Struktur-Funktion erlaubt es, die erhabenen Braille-Zeichen aus bis zu neun Schichten klarer oder farbige Tinte zu produzieren.“ 

Der Mutoh XpertJet 461UF arbeitet mit vier Farben (CMYK), Weiß und Lack. Als Untergrund ist dabei eine Vielzahl von Substraten von Kunststoff über Metall bis Holz möglich. Durch die Weiß-Tinte lassen sich auch dunkle und stark farbige Medien problemlos verarbeiten. Die Rückseite einer Braille-Drucksache, die mit dem Mutoh XpertJet 461UF hergestellt wurde, ist völlig glatt „Das erleichtert das Lesen von beidseitigen Drucken für Sehende enorm“, erklärt Dröge. Denn beim Prägen auf Papier entstehen rückwärtig Vertiefungen, die dort das Schriftbild verändern.

Mit Print kennt man sich beim LBSV aus. Seit Jahrzehnten werden in der Druckwerkstatt Briefbögen, Visitenkarten und andere Akzidenzien sowie Werbedrucke von Menschen mit Beeinträchtigungen in Zusammenarbeit mit ihren Fachkräften für Arbeits- und Berufsförderung gefertigt.

Dazu gibt es zwei Heidelberg-Tiegelmaschinen, einen Digitaldrucker für den vollfarbigen Auflagendruck bis A3 sowie eine vollständig ausgestattete Buchbinder-Werkstatt. Der Beschilderungsdruck ist aber ein neues Geschäftsfeld, und zwar eines, von dem sich Dröge viel verspricht: „Immer mehr Unternehmen und Behörden wollen barrierefreie Wegeleitung anbieten. In unserer alternden Gesellschaft ist das besonders wichtig.“

Braille-Schilder produzieren

Man kann einige Fonts der 1825 von Louis Braille entwickelte Blindenschrift im Internet herunterladen und für den Strukturdruck einsetzen. Buchstaben und Zahlen bestehen aus einem Raster von bis zu sechs Punkten in zwei Reihen. Geübte können sie in durchschnittlicher Lesegeschwindigkeit ertasten, doch Laien müssen sich konzentriert einarbeiten. „Wir können in unserer Werkstatt mit Erfahrungen aus erster Hand punkten. Unsere Korrekturleser und Tester sind ja gleich vor Ort“, freut sich deshalb Dröge.

Jakob Töws legt Braille-Drucke manuell in Adobe Photoshop an. Der gelernte Heilerziehungspfleger ist seit März 2023 für die Druckvorstufe und die Bedienung des Mutoh XpertJet 461UF Flachbettdruckers verantwortlich. Die Braille-Typen werden als eigenes PDF oder als Farbauszug gespeichert und an die Mutoh Edition Digital Factory übergeben. Alternativ kann man auch die CAD Link Digital Designer Software mit Braille-Modul nutzen. „Wir haben den Mutoh UV-Flachbettdrucker inzwischen umfangreich getestet und sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, erklären sowohl Töws wie Dröge. „Die Braille-Schrift kann bei einer Strukturhöhe von 0,4 mm sehr gut ertastet werden.“ Sie entsprechen außerdem der Norm DIN 32986 | 2019-06, mit der in Deutschland taktile Beschriftungen für den Innen- und Außenbereich geregelt sind. 

Neue Kunden, neue Produkte 

Derzeit entwickelt man in der Werkstatt des Lippischen Blinden- und Sehbehindertenvereins e.V. neue Produkte mit dem Mutoh XpertJet 461UF und stellt sie potenziellen Kunden vor. Durch die große Durchlasshöhe von 150 mm eignet sich der Drucker nicht nur für flache Objekte, sondern auch für den Direktdruck auf kleinen Gegenständen wie Werbeartikeln. „Anerkannte Werkstätten stehen heute stärker im Wettbewerb als noch vor einigen Jahren“, erklärt Dröge. „Denn der Grundlohn, den die Leistungsberechtigten beziehen, muss laut Gesetz erwirtschaftet werden.“

Dabei sollen künftig margenstarke Beschilderungen und andere Produkte aus dem Mutoh XpertJet 461UF helfen. Hergestellt werden sie dann von den Leistungsberechtigten der Werkstatt, die für die Arbeit am UV-LED Flachbettdrucker von Jakob Töws angelernt und unterstützt werden.

„Der Drucker ist wirklich einfach zu bedienen“, erklärt Dröge. „Wir wissen, dass die Leistungsberechtigten vor allem beim exakten Auflegen der Druckmedien Unterstützung benötigen, ansonsten aber gut zurechtkommen. Hier freuen sich schon alle auf die Möglichkeiten, die uns der Mutoh XpertJet 461UF bietet. Und natürlich auf all die tollen, neuen Produkte, die wir nun herstellen können!“

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